Russische Filmwoche in Berlin
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Russische Filmwoche Berlin

„The Hipsters“ (Stiljagi)

Musikfilm2008, 115 min., OmU
Regie: Valerij Todorowskij
Hauptrollen: Oksana Akinschina, Anton Schagin, Jewgenija Brik, Sergej Garmasch, Oleg Jankowskij, Leonid Jarmolnik u.a.
Filmvorführung:
Kino International	25.11.09	19:00 Uhr
Russisches Haus	27.11.09	20:30 Uhr
Broadway Kino	28.11.09	20:30 Uhr
The Hipsters Der junge Kommunist Mels lebt ein ganz normales Leben im Moskau der 50er Jahre, bis er eines Tages mit der faszinierenden Welt der Stiljagi, der sowjetischen Hipsters, in Berührung kommt. Diese Jugendlichen sind bunt, laut und vor allem: anders. Sie kämpfen für das Recht, nicht so zu sein wie alle, sie hören andere Musik, kleiden sich anders, tanzen anders – und lieben anders. Details »

Als Mels sich in die schöne Polly verliebt, ist er dieser aufregenden, atemberaubenden neuen Welt endgültig verfallen. Aber die Welt der Hipsters ist auch gefährlich, denn wer mag schon die „Andersdenkenden“...

Regisseur Valerij Todorowskij ist es mit diesem rasanten und mitreißenden Musikfilm gelungen, ein beinahe vergessenes Genre, die Musikkomödie, zu neuem Leben zu erwecken und daraus ein modernes russisches Musical zu machen, das in Russland Zuschauer und Kritik begeisterte.

Als Vorlage für die Musikstücke dienten Hits des sowjetischen Rock – Sinnbild der Jugendkultur in den 70er und 80er Jahren –, die Todorowskij zu Jazz- oder Rock´n Roll-Stücken umschreiben ließ – und damit die Brücke schlägt von der ersten Subkultur der Nachkriegszeit zur Protestbewegung der Perestroika.

Drei Jahre arbeitete Todorowskij an den Vorbereitungen und Dreharbeiten für den Film, und das Ergebnis überzeugt mit einer ungewöhnlichen Mischung aus packender Musik, professionellen Tanz- und Choreographieeinlagen, aufwändigen Kostümen und nicht zuletzt schauspielerischer Leistung. Neben jungen Nachwuchsschauspielern wie Oksana Akinschina, die durch ihre Rolle als Sechzehnjährige in dem schwedischen Film „Lilja 4-ever“ mit einem Schlag berühmt wurde, glänzen in den Nebenrollen „Altmeister“ des russischen Films wie Sergej Garmasch und Oleg Jankowskij. Und auch die Auszeichnungen können sich sehen lassen: „Stiljagi“ wurde viermal mit dem Nika Filmpreis, dem russischen Oscar, ausgezeichnet, darunter als „Bester Film des Jahres“.

Auf historische Detailtreue sollte man sich als Zuschauer bei diesem Film jedoch nicht einstellen. „In unserem Film geht es im Grunde nicht um die Stiljagi, sondern darum, dass man in der Unfreiheit frei sein kann“, sagt Drehbuchautor Jurij Korotkow. Ein Plädoyer für die Freiheit der Andersartigkeit also, unterhaltsam verpackt in eine „filmische Euphorie“ – wie die Filmemacher selbst ihren Film nennen.

„Das Kätzchen“ (Koschetschka)

Tragikomödie2009, 100 min., OmU
Regie: Grigorij Konstantinopolskij
Hauptrollen: Michail Jefremow, Alexander Strizhenow, Viktor Suchorukow, Jewgenij Stytschkin u.a.
Filmvorführung:
Broadway Kino	27.11.09	18:00 Uhr
Russisches Haus	28.11.09	20:30 Uhr
Das Kätzchen Ein experimentaler Film, eine „psychedelic comedy“, die den Zuschauer die Grenzen des eigenen Bewusstsein überschreiten lässt – wenn er sich auf das Experiment einlassen kann. In einzelnen Episoden werden dem Zuschauer vier verschiedene Menschen vorgeführt, vier getrennte Lebensschicksale, die doch eines verbindet: alle diese Menschen, sei es die alternde Balletttänzerin, der verzweifelte Ehemann, das Kleinkind oder der erfolglose Schriftsteller, haben die Hoffnung auf ihre große Chance nicht aufgegeben, sie warten auf ihre große Liebe, auf den Erfolg, auf die Gerechtigkeit. Details »

Grigorij Konstantinopolskijs Low-Budget-Film (alles in allem nahm die Arbeit am Film nur drei Monate in Anspruch), der bereits auf verschiedenen russischen Filmfestivals gezeigt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, ist im Grunde genommen ein filmisches Theaterstück, dessen Reiz in seiner Schlichtheit liegt. Es lebt von der ursprünglichen und einzigartigen Dramaturgie und von den vier Schauspielern, denen es auf beeindruckende Weise gelingt, den Zuschauer in den Bann ihrer (ungewöhnlichen) Rolle zu ziehen. Bleibt zu erwähnen, dass Michail Jefremow beim Filmfestival „Ein Fenster nach Europa“ eine Auszeichnung für seine Rolle als Ballerina erhielt – als die „beste männliche Hauptrolle“...

„Das Kätzchen“ ist ein ungewöhnlicher, fordernder Film, der dem Zuschauer die Chance eröffnet, umzudenken, einen neuen Blick auf die bekannten Dinge zu erwerben, Denkschablonen und Fesseln über Bord zu werfen. Fest steht, dass sich niemand der Herausforderung des Filmes entziehen kann – bei diesem Film muss jeder Position beziehen.

„Julenka – tödliche Lektionen“
(Julenka – smertelnye uroki)

Thriller2008, 99 min., OmU
Regie: Alexander Strizhenow
Hauptrollen: Marat Bascharow, Darja Balabanowa, Anna Kasjutschiz u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	26.11.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	27.11.09	20:30 Uhr
Broadway Kino	29.11.09	20:30 Uhr
Julenka Andrej Below, Dozent an der Moskauer Universität, zieht mit seiner kleinen Familie in eine Provinzstadt und nimmt dort eine Stelle als Lehrer am örtlichen Mädchengymnasium an. Doch bereits an seinem ersten Arbeitstag in der Schule muss Below feststellen, dass mit seiner Klasse irgendetwas nicht stimmt. Details »

Bald kommt ans Licht, dass hinter den Mauern der Schule ein schreckliches Geheimnis lauert - und dass diese kleinen, süßen Mädchen nicht mit Puppen spielen... Immer tiefer gerät Below in die Fänge des Bösen, die sich auf unerklärliche Weise um das kleine Mädchen Julenka zu drehen scheinen...

Regisseur Alexander Strizhenow, der selbst im Film den Kommissar spielt, ist ein packender, mystischer Thriller gelungen, dem man Hollywoodqualitäten nicht abstreiten kann. Geheimnisvolle Landschaften, schöne Bildeinstellungen und eine wahrhaft unter die Haut gehende Musik verhelfen diesem Film zu einer Atmosphäre, der sich der Zuschauer nicht entziehen kann und die ihn bis zum letzten Augenblick des Films in Atem hält.

„Ich wollte nicht einfach nur einen Thriller drehen, sondern eine Warnung für alle Männer“, so Regisseur Strizhenow über seinen Film. Was er damit meinte, kann man erst verstehen, wenn man den Film ganz gesehen hat...

„Liebe, Lust und Frust 2“ (Ljubow Morkow 2)

Komödie2008, 100 min., OmU
Regie: Maksim Pezhemskij
Hauptrollen: Kristina Orbakajte, Goscha Kuzenko, Lidia Weleschewa, Denis Paramonow, Alina Bulynko u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	26.11.09	20:30 Uhr
Broadway Kino	29.11.09	18:00 Uhr
Liebe, Lust und Frust 2 Zehn Jahre sind vergangen, seit die Eheleute Golubjev ihre Gefühle auf die Probe gestellt haben und für eine Zeitlang jeder in den Körper des anderen geschlüpft sind. Nun sind Andrej und Marina stolze Eltern der kleinen Zwillinge Gleb und Sveta. Alles scheint in ihrem Leben glatt zu laufen – beide machen eine schwindelerregende Karriere und jeder Tag ist bis ins Detail durchgeplant. Darüber haben sie aber eines aus den Augen verloren: dass Kinder lieber einen echten Hund und keinen Spielzeughund haben wollen und dass die Freunde der Eltern nicht die passenden Gäste beim Kindergeburtstag sind. Details »

Und - dass Liebe und Aufmerksamkeit wichtiger sind als Geld. Um alles wieder ins Lot zu bringen, müssen erneut alle Plätze vertauscht werden, meint Doktor Kogan und stattet seinen alten Bekannten einen neuen Besuch ab...

Gut ein Jahr später kann auch der zweite Teil von „Liebe, Lust und Frust“ an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen und nochmals unter Beweis stellen, dass russische Komödien mit Hollywood mithalten können. Rollentausch, komische Verwechslungen, Slapstickeinlagen und eine spannende Gangsterjagd – kurz, in diesem Film finden Sie alles, was man von einer echten Komödie erwartet. Die tragende Idee des Films – der Rollentausch der Kinder mit ihren Eltern – ist zwar nicht neu, wird hier aber in einer originellen, russischen Version präsentiert und von den vier Hauptdarstellern sehr überzeugend umgesetzt. Herausgekommen ist eine unbeschwerte Komödie, die Jung und Alt zum Lachen bringen wird.

„Krankenzimmer Nr. 6“ (Palata No. 6)

Literaturverfilmung, Drama2009, 83 min., OmU
Regie: Karen Schachnasarow
Hauptrollen: Wladimir Iljin, Alksej Wertkow, Alexander Pankratow-Tschornyj, Jewgenij Stytschkin, Aleksej Zharkow u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	27.11.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	28.11.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	30.11.09	20:30 Uhr
Krankenzimmer Nr. 6 Krankenzimmer Nr. 6 basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Anton Tschechow, in der der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in der russischen Provinz zum Patienten seiner eigenen Klinik wird. Regisseur Karen Schachnasarow hat die Handlung in das heutige Russland verlegt und aus der Geschichte eine Montage verfasst, die in Interviews, Rückblenden und Erinnerungen der Anderen das Schicksal Doktor Ragins rekonstruiert. Gedreht wurde der Film fast ausschließlich in einer wirklichen psychiatrischen Anstalt in der Nähe von Moskau – mit echten Patienten, die neben den Schauspielern auftreten. Details »

Beim Text hält sich der Film jedoch streng an die Tschechow´sche Vorlage und die überrascht durch ihre Aktualität: es geht um das Leben und den Tod, um die Freiheit und darum, wie einfach es ist, zu dem zu werden, wovor wir am meisten Angst haben.

Karen Schachnasarow, bekannter Regisseur bereits seit den 80ern, präsentiert uns mit „Krankenzimmer Nr. 6“ eine moderne, außergewöhnliche Interpretation der Tschechow-Erzählung, die prompt von der Russischen Filmakademie als russischer Beitrag für den Wettbewerb um den „Oscar für den besten fremdsprachigen Film“ 2010 ausgewählt wurde. Übrigens soll Schachnasarow die Idee zur Verfilmung schon vor zwanzig Jahren gehabt haben, damals sollte Marcello Mastroianni die Hauptrolle des Dr. Ragin übernehmen. Das Projekt scheiterte, und viele Jahre mussten vergehen, bevor ein „neuer Ragin“ gefunden wurde - Wladimir Iljin, dem beim diesjährigen Moskauer Internationalen Filmfestival der Preis für die beste männliche Hauptrolle verliehen wurde. „Ohne Wladimir Iljin hätte ich „Krankenzimmer Nr. 6“ wohl nie gedreht“, so der Regisseur. „Als ich ihn spielen sah, da wusste ich, dass ich endlich meinen Ragin gefunden hatte.“

„Tschechows Krankenzimmer – das ist Russland!“, meinten schon die Zeitgenossen. Ist Tschechow auch in diesem Punkt aktuell geblieben? Die Antwort darauf sollte uns der Film geben können.

„Sauerstoff“ (Kislorod)

Videoart, Drama2009, 75 min., OmU
Regie: Iwan Wyrypajew
Hauptrollen: Karolina Gruszka, Aleksej Filimonow u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	29.11.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	30.11.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	02.12.09	18:00 Uhr
Sauerstoff „Sicher haben Sie gehört, dass es in der Bibel heißt: ‚Du sollst nicht töten‘... Ich aber kannte einen Menschen, der hatte ein sehr schlechtes Gehör.“ So beginnt die Geschichte des jungen Sascha aus der Provinz, der in Moskau der rothaarigen Sascha begegnet, die für ihn zum „reinen Sauerstoff“ wird, zur Luft, ohne die er nicht mehr leben kann. Die Geschichte von Sascha und Sascha ist wunderbar und tragisch zugleich, und erzählt wird sie vor dem Hintergrund der zehn Gebote, die in zehn Videoclip-Kapiteln auf ihre Anwendung im Alltag geprüft werden. Details »

Iwan Wyrypajew hat nach seinem hochgelobten Debütfilm „Euphorie“ wieder einen außergewöhnlichen, neuartigen Film vorgelegt, ein Werk, das alle unsere Vorstellungen davon, was einen Film ausmacht, in Frage stellt. „Sauerstoff“ ist ein Film der neuen Generation, ein Manifest der Jugend des 21. Jahrhunderts. Aufgebaut hat Wyrypajew den Film auf seinem gleichnamigen, sehr erfolgreichen Theaterstück und hat die Texte zu einer Art Montage aus Musikclips, Rap-Erzählung und Animation verarbeitet.

Die Musik für die zehn „Clips“ lieferten so bekannte Musiker wie Oleg Kostrow (Band „Nozh dlja Frau Müller“ - „Ein Messer für Frau Müller“), Komponist Andrej Samsonow und die Gruppe „Markscheider Kunst“. Kein Wunder also, dass „Sauerstoff“ beim wichtigsten russischen Filmfestival „Kinotaurus“ in Sotschi den Preis für die beste Musik erhielt. Aber wichtiger noch – der Film nahm auch den Preis für die beste Regie nach Hause.

„Buben, Baraban“

Drama2009, 105 min., OmeU
Regie: Alexej Misgirew
Hauptrollen: Natalia Negoda, Jelena Ljadowa, Ljubomiras Lauzjavitschjus, Dmitrij Kulitschkow, Sergej Neudatschin, Eleonora Iltschenko
Filmvorführung:
Broadway Kino	26.11.09	20:30 Uhr
Russisches Haus	29.11.09	20:30 Uhr
Buben Baran „Wenn dein Herz weh tut, dann atme tiefer ein und sage dir immer wieder vor: ‚Buben, Baraban. Buben, Baraban‘. Dann wird es etwas leichter.“ – rät Katja ihrem Vater. Auch sie selbst lebt dank dieser Praktik, die ihr hilft, alles zu ertragen: Ihr Leben im Provinzstädchen, ihr mickriges Gehalt als Bibliothekarin, das Elend im postsowjetischen Russland, das sie dazu zwingt, Bücher aus der Bibliothek zu stehlen und weiterzuverkaufen. Details »

Eines Tages tut sich jedoch ein Lichtblick in Katjas Leben auf, als sie sich in einen durchreisenden Seemann verliebt. Die Liebe ist für sie der letzte Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit, sie beginnt Mut zu fassen, Pläne für die Zukunft zu schmieden. „Der Mensch muss stark sein, denn man lebt nur dann wirklich, wenn man geduldig ertragen kann – wer sein Leben nicht mehr erträgt, ist ein Schwächling“, meint der Geliebte. Die ganze Wahrheit über ihn und seine Vergangenheit erfährt Katja aber erst, als ihre Geduld bereits am Ende ist...

„Buben, Baraban“ ist ein Film über die die Schwierigkeiten des Alltags in der russischen Provinz, über Familie und Freundschaft und darüber, was unser Leben lebenswert macht. „Vor allem aber ist es ein Film über die Liebe“, meint Regisseur und Drehbuchautor Alexej Misgirew.

Der Film erhielt bei den Kinofestspielen in Lokarno zwei Auszeichnungen: den silbernen Leoparden für die beste Regie und den Spezialpreis der Jury.

„Der dritte Wunsch“ (Tretje zhelanije)

Tragikomödie2009, 85 min., OmU
Regie: Sergej Welikoredtschanin, Valerij Schewtschenko
Hauptrollen: Darja Moroz, Natalja Antonowa, Alexander Belonogow, Sergej Gubanow, Michail Dorozhkin, Natalja Rudowa u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	30.11.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	01.12.09	18:00 Uhr
Der dritte Wunsch „Der dritte Wunsch“ basiert auf der bekannten Parabel vom Teufel, der den Menschen einen Besuch abstattet und ihnen folgenden Handel anbietet: Er wird einen beliebigen Wunsch erfüllen, aber unter einer Bedingung: der schlimmste Feind bekommt davon doppelt so viel. Auf seinen Streifzügen durch Moskau führt der Teufel mit dem Namen Hermann die Menschen in Versuchung: demjenigen, der seine Münze findet und aufhebt, erfüllt er drei Herzenswünsche. Details »

Eines Tages kommt die Reihe an Wenja, und der nutzt die Gelegenheit, seinen angeblichen Freund Max, gegen den er heimlich Neid und Missgunst empfindet, ins Gefängnis wandern zu lassen. Außerdem wünscht sich Wenja Max‘ Freundin Wika an seine Seite und macht sich selbst zum Millionär. Fünfzehn Jahre später treffen sich die ehemaligen Freunde zufällig wieder. Max ist mittlerweile ein erfolgreicher Künstler und Geschäftsmann geworden. Bei Wenja bricht der alte Neid wieder hervor und er versucht erneut, Max Leben zu zerstören. Bis eines Tages Hermann zum zweiten Mal auftaucht – diesmal aber bei Max. Und Max sieht sich vor die Wahl gestellt: will er die Rache oder wird er verzeihen...

„Der dritte Wunsch“, Debütfilm der jungen Regisseure Sergej Welikoredtschanin und Valerij Schewtschenko, vereint in sich Elemente von romantischer Komödie und Melodrama. Ein Film über etwas, was wir alle nur zu gut kennen – die Frage nach der richtigen Entscheidung und welche Folgen sie haben kann.

„Das Wunder“ (Tschudo)

Drama2009, 110 min., OmU
Regie: Alexander Proschkin
Hauptrollen: Konstantin Chabenskij, Polina Kutepowa, Sergej Makowezkij u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	01.12.09	18:00 Uhr
Broadway Kino	02.12.09	20:30 Uhr
Das Wunder Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, die in die russische Geschichte als „das Wunder von Samara“ oder „Die stehende Soja“ eingegangen ist. Es ist das Jahr 1956, in der Sowjetunion herrscht „Tauwetter“, der XX. Parteitag steht kurz bevor. In einem Fabrikstädtchen bei Samara feiert die junge Arbeiterin Soja ihren Geburtstag und erwartet zum Fest ihren Geliebten. Details »

Als dieser nicht erscheint, greift sie Nikolaus-Ikone und beginnt, in Ermangelung des Tanzpartners mit der Ikone zu tanzen. Aber sie hat kaum ein paar Schritte getanzt, als sie mit der Ikone in den Armen zur Salzsäule erstarrt – um dann mehrere Monate wie eine Statue in der gleichen Haltung zu verbleiben. Die „stehende Soja“ bringt das halbe Land in Aufruhr und versetzt die politischen Machthaber in höchste Unruhe – denn in Zeiten des verordneten Atheismus muss so ein „Wunder“ um jeden Preis vertuscht werden. Aber die weltliche wie geistliche Obrigkeit erweist sich angesichts des unerklärlichen Phänomens als machtlos...

Der Film, der beim 31. Moskauer Internationalen Filmfestival im Juni mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde, zeigt auf eindringliche Weise, wie das scheinbare Wunder das Leben der Menschen verändert, die damit konfrontiert werden. Jeder reagiert darauf auf seine Weise, sei es der KGB‘ler, der örtliche Priester oder schließlich Chruschtschow persönlich – aber jeder muss angesichts des Unerklärlichen Position beziehen, und nichts ist mehr so, wie es vorher war. „Die Menschen brauchen manchmal ein „Wunder“ wie dieses, das sie einhalten und ihr Leben reflektieren lässt,“ meint Regisseur Alexander Proschkin. „Das Wunder“ ist auch ein Film über den Glauben, über Schuld und Sühne und darüber, wie schwer es den Menschen fällt, eine gemeinsame Sprache zu finden.

„Begrabt mich hinter der Fußleiste“
(Pochoronite menja sa plintusom)

Drama2009, 119 min., OmU
Regie: Sergej Sneschkin
Hauptrollen: Swetlana Krjutschkowa, Alexander Drobitko, Aleksej Petrenko, Maria Schukschina, Konstantin Worobjow u.a.
Filmvorführung:
Russisches Haus	30.11.09	20:30 Uhr
Broadway Kino	01.12.09	20:30 Uhr
Begrabt mich hinter der Fußleiste „Mein Name ist Sascha Saweljew. Ich gehe in die zweite Klasse und wohne bei meinen Großeltern. Meine Mutter hat mich gegen einen Giftzwerg und Erbschleicher eingetauscht und meiner Großmutter aufgebürdet, für die ich ein schweres Kreuz bin." So beginnt der kleine Sascha seine Erzählung im gleichnamigen, größtenteils autobiografischen Roman von Pawel Sanajew – Abkömmling einer bekannten sowjetischen Schauspielerfamilie –, der als Vorlage für den Film diente und in Russland zum Bestseller avancierte. Details »

Saschas neunter Geburtstag bedeutet für ihn viel mehr als für andere Kinder, denn an diesem Tag darf ihn seine Mutter besuchen und nichts wünscht er sich sehnlicher. Aber die Großmutter macht alle Hoffnungen mit einem Schlag zunichte: „Dein Geburtstag findet dann statt, wenn ich es sage!“ So nimmt der Tag für Sascha seinen normalen Gang, der aus den Launen, Schimpfkanonaden und wilden Flüchen der Großmutter besteht, aus geriebenen Äpfeln und Hausaufgaben und nicht zuletzt aus Medikamenten, Prozeduren und Arztbesuchen, denn Sascha leidet an einer schier unendlichen Menge von Krankheiten mit unaussprechlichen Namen. Aber Sascha gibt seinen Traum von einem Leben bei der Mutter nicht auf...

Der Film von Sergej Sneschkin zeigt mit schonungsloser Direktheit den Konflikt des Jungen, der zum Spielball wird zwischen der tyrannischen Großmutter, die ihn um jeden Preis bei sich behalten will, und der Mutter, die sich gegen die eigenen Eltern nicht durchzusetzen weiß. Tragisch ist aber nicht nur die Situation des Jungen, sondern aller Figuren in diesem Familiendrama, einschließlich die der Großmutter, deren einziger Lebensinhalt die Fürsorge für den kränkelnden Enkel geblieben ist. Die schillernde Figur der Großmutter, herausragend gespielt von Swetlana Krjutschkowa, steht nicht zuletzt für die sowjetische Epoche, die der Film für seine Zuschauer noch einmal aufleben lässt, um sie dann gemeinsam mit seiner Heldin für immer hinter sich zu lassen.

Das Buch zum Film, das in Russland zahlreiche Auszeichnungen erhielt, ist mittlerweile auch in deutscher Übersetzung erschienen.

„Wiekrebs“ (Kakraki)

Tragikomödie2009, 105 min., OmU
Regie: Ilja Demitschew
Hauptrollen: Michail Jefremow, Olga Sun, Wladimir Tschuprikow, Alexander Baschirow, Tatjana Krawtschenko, Alexander Paschkowskij, Natalja Wdowina, Jelena Safonowa u.a.
Filmvorführung:
Broadway Kino	26.11.09	18:00 Uhr
Russisches Haus	28.11.09	18:00 Uhr
Wiekrebs „Hummer sind wie Krebse, nur größer“, erklärt Michail Ponomarew der jungen Studentin Nastja, die er in ein schickes Restaurant einladen will, um ihr mit diesen „Wiekrebsen“ zu imponieren. Auch in Michails Leben ist alles irgendwie nur „Wie-“. Nach außen scheint alles perfekt zu sein. Er ist hoher Beamter, lebt mit allem Komfort. Nimmt Bestechungsgelder wie alle, macht mit beim falschen Spiel der Lügen und Intrigen, spielt den normalen Familienvater. Und frönt in Ruhe seinen beiden einzigen Leidenschaften: teuren Schuhen und Süßigkeiten. Details »

Doch Michail fühlt sich gestrandet, leer, sehnt sich nach Herausforderungen, nach echten Gefühlen. Auf seiner Suche nach Abwechslung und einem neuen Lebensinhalt trifft er auf Nastja und beginnt ihr den Hof zu machen. Diese Begegnung wird sein Leben von Grund auf verändern – allerdings in eine unerwartete Richtung...

Mit „Wiekrebs“ ist Jungregisseur Ilja Demitschew zum einen eine datailgetreue, komische und zugleich nachdenklich stimmende Satire auf das Leben der russischen Beamten gelungen, zum anderen die eindringliche Geschichte eines Menschen, der seinen Weg im Leben nicht gefunden hat. Und Starschauspieler Michail Jewfremow scheint mit der Figur des Ponomarew die Rolle seines Lebens gefunden zu haben. Nachdem der Film bereits in Russland beim Filmfestival „Ein Fenster nach Europa“ zwei Preise mit nach Hause nahm, konnte er bei den 66. Filmfestspielen in Venedig, wo er außer Konkurrenz gezeigt wurde, auch ein internationales Publikum begeistern.

Hinweis

Eine Übersicht über alle Filmvorführungen erhalten Sie unter Filmprogramm
Filausschnitte
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