Russische Filmwoche in Berlin
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Russische Filmwoche Berlin

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„Deserteur“  Details »
Historisches Drama1933, 103 Min.
Regie: Wsewolod Pudowkin
Hauptrollen: Boris Liwanow, Wasili Kowrigin, Alexander Tschistjakow
Filmvorführung:Kino Arsenal, 01.12.2008, 19:00 Uhr
1932. Kommunistischer Streik in Deutschland. Der junge Hamburger Hafenarbeiter Karl Renn ist den monatelangen Arbeitskampf leid und schließt sich den Sozialreformern an – ein fataler Fehler, wie er bald feststellen muss. Doch der Kampf geht weiter, und Renn bekommt eine zweite Chance...
Anfang der 30er Jahre überwog im sowjetischen Kino noch das Feindbild der „Sozialfaschisten“ von der SPD. Wie viele Kollegen seiner Zeit nutzte auch Regisseur Wsewolod Pudowkin den Propaganda-Auftrag der Regierung, um sich künstlerisch auszuprobieren. Pudowkin geht in seinem ersten Tonfilm so radikal vor, wie er, Sergej Eisenstein und Grigori Alexandrow es in ihrem berühmten „Tonfilmmanifest“ von 1928 gefordert hatten: Der Ton wird als Schnittinstrument genutzt und schafft überraschende Effekte, die dem „Deserteur“ seinen eigenen, geradezu musikalischen Rythmus verleihen.

Ein Muss für Geschichtsinteressierte und Kinoliebhaber.

„Zerrissene Stiefel“  Details »
Politischer Kinderfilm1933, 96 Min.
Regie: Margarita Barskaja
Hauptrollen: Georgij Milljar u.a.
Filmvorführung:Kino Arsenal, 02.12.08, 19:00 Uhr
Deutsche Arbeiter kämpfen gegen niedrige Löhne und soziale Ungerechtigkeit, es kommt zu Massenstreiks und Polizeigewalt, die Situation eskaliert... eine Revolution liegt in der Luft.
In dieser unruhigen Zeit müssen die deutschen Arbeiterkinder ihren schwierigen Alltag in Armut und Unsicherheit bewältigen. In kleinen Episoden erzählt der Film die Alltagsgeschichten von Kindern zwischen einem und zwölf Jahren mit einer Natürlichkeit und Offenheit, die den Zuschauer den propagandistischen Background gerne vergessen lässt.

Als „Zerrissene Stiefel“ 1933 in die Kinos kam, war er nicht nur der weltweit erste Tonfilm für Kinder. Regisseurin Margarita Barskaja hatte auch ein Meisterwerk der Schauspielkunst auf die Leinwände gezaubert. Der Schriftsteller Maxim Gorkij war verblüfft: „Wie schaffen Sie es nur, dass ein kleiner Junge vor der Kamera eine solche Palette an Emotionen zu Tage legt, über die eigentlich nur ein gestandener Schauspieler verfügt?“ Eine Frage, die ihr auch die Journalisten der New York Times im Interview stellten, denn die junge Regisseurin gelangte durch ihr Werk zu Weltruhm. Ihre geniale Arbeit als Pädagogin und Regisseurin half Barskaja jedoch nicht gegen die paranoide sowjetische Repressionsmaschinerie, die die junge Künstlerin fünf Jahre nach ihrem großen Werk in den Selbstmord trieb. Sie hatte es gewagt, im Kino auch soziale Probleme von sowjetischen Kindern zu thematisieren.

„Zerrissene Stiefel“ bleibt ein Klassiker der Filmgeschichte, abwechslungsreich erzählt und großartig gespielt.

„Moorsoldaten“  Details »
Politisches Drama1938, 71 Min.
Regie: Alexander Matscheret
Hauptrollen: Semjon Meschinski, Oleg Schakow, Alexander Sraschewski
Filmvorführung:Kino Arsenal: 03.12.08, 19:00 Uhr
Aus der „Prawda“ vom 21.10.1938:
„Walter war der nationalsozialistischen Demagogie verfallen, war bereit, in den an die Macht gekommenen SS-Stürmern nur lauter „gute Kumpel“ zu sehen. Doch die „guten Kumpel“ verhöhnen ihn und werfen ihn ins KZ.
Hier hilft Walter der mutige und unbeugsame Kommunist Paul. Dem faschistischen Kerker entflohen, schließt sich Walter den Kommunisten an, denn jetzt kennt er das wahre Gesicht der „guten Kumpel“, der brutalsten und verhassten Feinde des Deutschen Volkes.“

Ein Jahr vor dem Angriff Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion zeichnet Matscheret in seinem Film noch den kommunistische Wunschtraum eine deutschen Arbeiterklasse, die aufwacht und sich gegen die Nazis auflehnt. Ein spannendes Stück Zeitgeschichte, das viel über die sowjetische Politpropaganda verrät und mit seiner durchschaubaren Direktheit fast schon sympathisch wirkt.

„Professor Mamlok“  Details »
Historisches Drama – Nach dem gleichnamigen Stück von Friedrich Wolf – 1938, 100 Min.
Regie: Adolf Minkin und Herbert Rappaport
Hauptrollen: Semjon Meschinksi, Tatjana Gurezkaja, Pjotr Kirillow
Filmvorführung:Kino Arsenal: 04.12.08, 19:00 Uhr
Die Machtübernahme der Nazis im Mikrokosmos einer deutschen Klinik: Dr. Hellpach und Dr. Ruoff hoffen auf Hitler, Dr. Hirsch und der Patient Seidel fürchten die braunen SA-Truppen.
Nur der Klinikleiter und Kriegsveteran Dr. Mamlock bleibt neutral. Sogar, als der Reichstag in Flammen aufgeht, glaubt er noch an Recht und Ordnung. Doch die neuen Machthaber machen selbst vor der Klinik und ihrem Leiter nicht halt...

Friedrich Wolf, selbst deutscher Arzt jüdischer Abstammung, schrieb sein bekanntestes Stück 1933 im französischen Exil. Ihn hatte das Foto einer NS-Zeitung inspiriert. Darauf blickt ein alter Mann in zerrissener Kleidung in die Kamera, auf seiner Brust die schicksalhafte Aufschrift „Jude“. Die Bildunterschrift lautete: „Die Sturmtruppen in Mannheim säubern unser Land erfolgreich von fremden rassischen Elementen. Gestern wurde der jüdische Arzt Mamlock aus der chirurgischen Klinik entlassen“.

Die österreichische Kinoseite film.at bringt die Sonderstellung des Films auf den Punkt: „Professor Mamlok war der einzige antifaschistische Film im SU-Kino jener Epoche, der international gefeiert wurde und filmhistorisch Bestand haben sollte, auch deshalb, weil er sich als Reflexion über totalitäre Systeme im Allgemeinen sehen lässt.“

„Die Oppenheims“  Details »
Historisches Drama – Nach dem Roman „Die Geschwister Oppenheim“ von Lion Feuchtwanger – 1939, 97 Min.
Regie: Grigori Roschal
Hauptrollen: Bernhard Goetzke, Wladimir Solowjow, Wladimir Balaschow
Filmvorführung:Kino Arsenal: 05.12.08, 19:00 Uhr
Bertold Oppenheim ringt im Gymnasium verzweifelt mit seinem Nazi-Lehrer, der ihn ideologisch gefügig machen will; Gustav Oppenheim muss seine Möbelfabrik an einen „wahren Arier“ abgeben und flüchtet in die Schweiz; Edgar Oppenheim, ein berühmter Chirurg, wird von SA-Schlägern aus seiner Klinik vertrieben.
Jedes Mitglied der Familie Oppenheim – ob Schwester, Sohn und Partner – durchlebt den Terror der neuen Machthaber am eigenen Leib. Roschal gelang es, auf Basis der berühmten Romanvorlage von Lion Feuchtwanger die moralische Katastrophe einer Gesellschaft einzufangen, indem er die persönlichen Tragödien einfacher Menschen erzählt.

Das differenzierte Porträt der Familie überzeugt auch durch die schauspielerische Leistung der jungen Darsteller. Viele unter ihnen waren Schüler von Roschal an der staatlichen Schauspielschule. Roschal ließ sie vor den Szenen kurze improvisierte Etüden spielen. Im Ergebnis brillierten die jungen Künstler mit besonders eindringlichem Schauspiel.

Ein Filmklassiker, großartig gefilmt – und eine Geschichte, die den Zuschauer mit einem hilflosen Schaudern zurück lässt.

„Panzerkreuzer Potemkin“  Details »
Historisches Drama1925, 70 Min.
Regie: Sergej Eisenstein
Hauptrollen: Alexander Antonow, Wladimir Barski, Grigori Alexandrow
Filmvorführung:
Kino Arsenal: 01.–02.12.08, 10:00 Uhr (nur mit Voranmeldung)
Kino Arsenal: 06.12.08, 16:00 Uhr
Kino Arsenal: 07.12.08, 11:00 Uhr
Russland 1905. Im Land gärt es, in der Armee herrscht revolutionäre Stimmung. Auf dem Panzerkreuzer „Potemkin“ meutern Matrosen gegen ihre zaristischen Vorgesetzten.
Sie scheitern und werden zum Tode verurteilt. Doch als das Urteil ausgeführt werden soll, eilen ihnen ihre Kameraden zu Hilfe. Es kommt zum einem kurzen, blutigen Kampf, in dem die Matrosen ihre Offiziere nierringen, ihr Anführer jedoch tödlich getroffen niedersinkt. Das zaristische Oberkommando der Flotte sendet daraufhin eine Geschwader von Kampfschiffen, um den Aufständischen den garaus zu machen. Doch auch deren Matrosen verweigern den Schießbefehl auf ihre Kameraden, und der Panzerkreuzer Potemkin setzt seinen Triumphzug über das Meer fort...

Den Auftrag für seinen Film bekam Sergej Eisenstein von der Sowjetregierung. Er sollte einen Revolutionsfilm zum 20. Jahrestag der gescheiterten ersten bolschewistischen Revolution von 1905 drehen – und schuf ein Meisterwerk der Kinogeschichte, das auch heute mit seiner einzigartigen Inszenierung und Montagetechnik noch Kinoliebhaber aus aller Welt begeistert.

1926 bekam „Panzerkreuzer Potemkin“ dem Preis der Amerikanischen Academy als bester Film, 1958 kürten ihn Kinokritiker auf der Weltausstellung in Brüssel zu einem der zwölf besten Filme aller Zeiten, 1978 wählten Filmschaffende aus aller Welt „Panzerkreuzer Potemkin“ an die Spitze der 100 besten Kinofilme.

Hinweis

Eine Übersicht über alle Filmvorführungen erhalten Sie unter Filmprogramm »